Mirjam Beerli

Mirjam Beerli

Werdegang

Nach dem Studium an der Vorgängerinstitution der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel war ich von 1980 bis 1994 freischaffend als Künstlerin in Basel tätig. Ein Jahr verbrachte ich als Stipendiatin am Istituto Svizzero in Rom und ein Jahr in einem Atelier im Oberengadin. In dieser Zeitperiode hatte ich zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland und erhielt zweimal das Kunststipendium des Kantons Basel-Stadt.

1994 trat ich in die Kunstabteilung des Schweizerischen Bankvereins ein und war von 1995 bis 2006 im Kultursponsoring tätig. Als Head Group Cultural Sponsorship war ich viele Jahre verantwortlich für den Auf- und Ausbau sowie die Umsetzung aller Partnerschaften im Kulturbereich. Von 1998 bis ­­2000 absolvierte ich berufsbegleitend ein Nachdiplomstudium in Kulturmanagement an der Universität Linz (MAS in Art and Media Management). Zwischen 2007 und 2018 war ich als Geschäftsführerin der UBS Kulturstiftung tätig.

Auch während der vielen Jahre als Kulturmanagerin habe ich meine künstlerische Arbeit weiterentwickelt. Als Repräsentantin von UBS im Kulturbereich konnte ich meine Ausstellungstätigkeit jedoch nicht weiterverfolgen. Seit ich mich Ende Juni 2018 vorzeitig habe pensionieren lassen, kann ich mich wieder auf meine künstlerische Praxis konzentrieren – und meine Arbeiten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen.

Werk

Ich arbeite im Medium Zeichnung, weil ich die Unmittelbarkeit, Präzision und Lebendigkeit von Linien zur Gestaltung meiner Bilder brauche. Linien lassen sich stark verdichten und der Weissraum zwischen ihnen lässt sie atmen. Ich möchte Bilder schaffen, die mit der ihnen immanenten Bewegung den Blick der Betrachtenden in Bewegung versetzen, eine unmittelbare Wirkung entfalten – und die immer wieder neue Bilder evozieren.

Meine Zeichnungen entstehen im Zusammenspiel von Wiederholung und Variation einer Linie als Grundform, die zu einer komplexen, räumlich wirkenden Gestalt verdichtet wird. Bei meiner Vorgehensweise lasse ich mich von der Natur inspirieren: zum Beispiel von dem sich ewig wandelnden Form-Farb-Licht-Spiel eines Baumes, dessen Blätter die immer gleiche Form quasi unendlich variieren, oder von dem Wellenspiel auf einer Wasseroberfläche, deren Gestalt sich in der immer gleichen Formensprache ewig wandelt.

In meinen zeichnerischen Arbeiten erschaffe ich Gestalten, die sowohl organisch gewachsen als auch abstrahiert entworfen erscheinen. Dabei arbeite ich immer in Serien oder Werkgruppen. Die Formen sind nicht nur in sich bewegt, sie verändern und bewegen sich auch von einer Zeichnung zur nächsten ­– was das Erlebnis des Wandels verstärkt und Zeitlichkeit erfahrbar macht. Entwickelt habe ich meine Zeichentechnik in den 90 er Jahren. Damals habe ich angefangen, Naturdinge als Grundmodule für meine Zeichnungen zu verwenden. So habe ich zum Beispiel den Umriss einen Steins mit dem Bleistift umfahren, diesen dann etwas versetzt und wieder umfahren ­bis eine dichte Zeichnung entstanden ist, die etwas anderes von diesem Stein sichtbar macht. In gleicher Weise bin ich mit Geweihen, Hörnern, Wurzeln oder Knochen verfahren, um neue Naturgebilde zu erschaffen. Später habe ich nach geschlossenen Rundformen gesucht, um andersartige Gestalten zu kreieren. Gleichzeitig wollte ich die Präzision der Linien erhöhen. Nach verschiedenen Experimenten habe ich begonnen, flache Schablonen schlichter organischer Grundformen herzustellen und diese Basis-Linienspur zu fiktiven Naturgebilden zu verdichten.

„Mirjam Beerli, so könnte man sagen, erschafft natürliche organische Gestalten, aber solche die noch niemand gesehen hat, Fiktionen der Natur. Aber ist die Natur nicht selbst auch in ihrer Kreativität fiktional? Vielleicht setzt sich in der Art von Kreativität, die aus technischem Können, Absicht, Absichtslosigkeit und Zufall gemischt ist, in der Künstlerin die natürliche fiktionale Kreativität fort. Vielleicht ist das der Grund, warum diese Gestalten eine eigenartige Selbständigkeit und Ruhe, aber auch Zartheit und Verletzbarkeit ausstrahlen, wie die Pflanzen und Tiere um uns herum, die wir nicht gemacht haben.“

Michael Hampe, Professor für Philosophie an der ETH Zürich

Ausstellungen

Einzelausstellungen

  • Centre PasquART, Kunstverein Biel
  • Ausstellungsraum Klingental Basel
  • Galerie im Trudelhaus Baden
  • Galerie «ist» Burgdorf
  • Frauen Kunst Forum Bern
  • Galerie Franz Mäder Basel


Gruppenausstellungen

  • Kunsthalle Ziegelhütte Appenzell
    «Emma Kunz und Gegenwartskunst – Zahl, Rhythmus, Wandlung»
    26. April – 25. Oktober 2020
  • Wanderausstellung «Paper Worlds»
    Jyväskylä Art Museum, Lönnström Museo Rauma, Aine Art Museum Tornio, Into Galerie Helsinki, Musée de Pully bei Lausanne
    (Mit Claude + Andrée Frossard, Eva Saro, Kaarina Kaikkonen, Matti Kalkamo, Janna Syvänoja)
  • Frauen Kunst Forum Bern
  • Galerie Marie-Louise Wirth Zürich
    (Mit Anna-Maria Bauer, Max Matter, George Steinmann)
  • Museum of Modern Art Hong Kong, «Schweizer in Hong Kong»
  • Visarte Ausstellungsraum Basel, «Die Neuen»
  • Wanderausstellung «Papierobjekte»
    Kunstmuseen von Tallin, Riga, Vilnius, St Petersburg, Moskau, Kornhaus Bern
    (Organisiert von Visarte in Zusammenarbeit mit Pro Helvetia)
  • Galerie Pankow Berlin, «Ueber Kreuz» Berlin-Basel
  • Kunstmuseum Olten «Von ordentlichen und unordentlichen Ordnungen»
  • Basellandschaftliche Kunstausstellung
  • Accademia Amiata Arcitosso «Schweizer in Rom»
  • Ausstellung Eidgenössisches Stipendium, Luzern und Basel
  • ART Sélestat
  • Basellandschaftliche Kunstausstellung

Werke in Sammlungen

Credit-Suisse
Novartis
UBS AG
Kanton Basel-Land
Kanton Basel-Stadt